Die Perle der Verwundbarkeit

… Es ist fast Atemberaubend zu sehen, wie das Leben selbst, trotz all der Verletzungen in uns, uns immer wieder an die Hand nimmt und uns führt und leitet und was für große Leistungen wir dadurch Tag täglich vollbringen können, trotz Trauma Folgen menschlich, einfühlsam und wohlwollend zu handeln und zu bleiben.


Weltweit geben all die Organisationen, Vereine und Gruppen, die sich zum Wohle einer menschlichen, gerechteren und sozialeren Verteilung von Gütern Hoffnung, auf ein gerechtes, wertschätzendes und unterstützendes Miteinander, wo Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit zum Standardverhalten gehören. Aber auch auf kollektiver Ebene kommen wir über ein bewusstes Hinschauen auf unsere Geschichte und auf die Auswirkungen unseres Handelns nicht hinweg.


Erst wenn die Folgen und das Leid, das durch Kriege, Verfolgung, Unterdrückung oder Vernichtung ganzer Völker, Vertreibung, Hungersnöte und Naturkatastrophen hervorgerufen wurde, gefühlt und erspürt wird, können wir sie kollektiv integrieren und menschliche Lösungen, die zum Wohle aller sind, finden, sowie die Kraft, die finanziellen Mittel und die Ressourcen aufbringen und diese auch zum Wohle aller umzusetzen. Dieses wirkt auf jeden Einzelnen Erdenbürger, weil dadurch ein haltgebender, wohlwollender, respektvoller und achtsamer Raum geschaffen wird in dem jeder Einzelne sich frei entfalten kann und sein Potenzial uneingeschränkt allen zur Verfügung stellen kann, wodurch jeder seine Existenz als gewinnbringend und sinnvoll erfahren kann. Dadurch entsteht das Gefühl von Fülle und Gleichheit, was uns persönlich aber auch kollektiv aus dem Neid und aus der Gier herausführt und uns Frieden auf allen Ebenen schenkt.


Berührt das Leben selbst unsere Wunden, so werden sie vom Leben selbst befruchtet und werden Leben hervorbringen. Damit dies geschehen kann, müssen sie offen sein, denn nur in offene, berührbare und gefühlte Wunden kann der Samen des Lebens Wurzeln schlagen, nur wenn sie offen bleiben kann aus dem Samen ein Baum werden. Ist dies geschehen wird diese Wunde keine Möglichkeit mehr haben sich zu verschließen. Die Menschlichkeit und die Liebe fließen aus ihr heraus und umsorgen die Wunde fortan. Die Baumkrone zieht Leben an, Vögel und andere Tiere werden eine Heimat darin finden, Früchte werden wachsen um uns zu nähren, aber auch um neues Leben durch sie entstehen zu lassen. Die Wurzeln des Baumes ziehen tief in den kollektiven Schatten und durchdringen ihn mit Leben. Sie nehmen jedoch die Schwere, die Dunkelheit und die Leiden all der darin verborgenen Wunden auf, um sie im Licht und im Leben zu wandeln.


Der einzelne Mensch ist das Bindeglied. In diesem Bild des Baumes steht er für den Stamm. Durch unseren Körper wird der kollektive aber auch der persönliche Schmerz in Form von Emotionen spürbar, durch unsere Psyche wird er durch unsere Gefühle gefühlt und durch unseren Geist wird der kollektive und der persönliche Schatten in der Welt durch unsere Worte und unsere Handlungen sichtbar. Durch unser Leben, das die Krone symbolisiert, und durch die Früchte, die unser Leben hervorbringt transformieren oder bestätigen wir den kollektiven Schatten.


Hier und nur hier ist die Heimat unseres freien Willens. Dienen wir dem Licht oder dem Schatten. Wollen wir Schöpfer und Mitgestallter oder Opfer und Getriebene unserer Geschichte sein. Haben wir uns entschieden, müssen wir die Verantwortung dafür übernehmen und die Konsequenzen tragen. Jedes Mal, wenn wir in unserem Leben an eine Weggabelung kommen, können wir uns neu entscheiden.


Das ist die Frohe Botschaft: das Leben ist immer bei uns, hält uns an der Hand und unterstützt, akzeptiert und respektiert unseren freien Willen. Das Leben selbst wirkt im Schatten genauso wie es im Licht wirkt, mit dem einzigen Unterschied, dass es im Schatten unterdrückt und im Verborgenen wirkt und im Licht sich entfalten und seine volle Kreativität und sein ganzes Potenzial uns zur Verfügung stellen kann. Die bedingungslose Liebe des Lebens selbst verlässt uns niemals und kann es nicht mal, da wir die Liebe und das Leben selbst sind. Unser Körper ist das Gefäß, in dem das Leben, das wir sind gehalten wird und Heimat findet. Durch unsere Psyche wird das Leben, das wir sind fühlbar und durch unseren Geist/ Intellekt offenbart sich das Leben, das wir sind der Welt…



Auszug aus meinem im Entstehen befindenden Buch

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