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Kreuzigung, Stille, Auferstehung


Argumente, Meinungen, Ansichten sie alle werden geteilt, laut herausposaunt, zerpflückt, auf die Waagschale gelegt und gegen eine Wand geworfen wo sie zerschellen und in ihre Einzelteile zerbrechen. Die Einzelteile werden aufgehoben, in die Höhe gehalten und ausgespottet, erniedrigt und gekreuzigt. Das Wesen, welches in jedem einzelnen Einzelteil beinhaltet ist, wird missverstanden, ausgestoßen, beschimpft, diskreditiert, gefoltert, ausgelacht und anschließend gekreuzigt. Es hängt an dem Kreuz seiner Würde beraubt, von seiner Geschichte entzweit und seinem Kontext entrissen.


Blinde Wut und Rage fluten einen anderen Teil während Ohnmacht und Machtlosigkeit einen dritten Teil befallen und lähmen. Das Wesen, das wir sind, in sich zerrissen, gefoltert und gekreuzigt. Es hat den Kampf verloren durch seine Sichtbarkeit und Verletzlichkeit, durch seine verbalisierte Wahrheit und seine urmenschlichen Bedürfnisse nach Verbundenheit und Zugehörigkeit am Leben. Durch unsere eigene Wut wird es weiterhin beschämt, erniedrigt und gekreuzigt. Die eigene Ohnmacht und Machtlosigkeit lähmen es, lassen ihm keine neuen Argumente finden. Wortlos und ohne Gegenwähr schreitet es den Hügel hinauf, seinem Schicksal entgegen.


Stille fügt die, an der Wand, zerschellten Einzelteile der Argumente zusammen. Stille verbindet die Einzelteile unseres Wesens und fügt es und die Argumente zurück in den Kontext aus dem sie entsprungen sind. Stille verwebt, integriert und hebt den Gekreuzigten vom Kreuz, wickelt ihn in Tücher und übergibt ihn Mutter Erde. In der Wärme, der Geborgenheit und der Weichheit der Arme von Mutter Erde erholt er sich. In dem wohlwollenden, wertschätzenden und liebenden Blick von Mutter Erde heilen seine Wunden. In der Sanftheit von Mutter Erde findet er seine Würde, seine Kraft und seine Stärke wieder. So erhebt er sich und steht wieder auf um sich seinen Gefährten zu zeigen. Sanftheit und Liebe begleiten ihn sowie Respekt und Achtung vor der Macht der Zerstörung.


Beschämt sind die Teile, die Wut und Zerstörung hervorgebracht haben. Beschämt auch jene, die Ohnmacht und Machtlosigkeit produziert haben. Entwürdigt haben sie sich selbst. Missbraucht haben sie ihre Macht und ihre Stärke, die sie für ihren Auftrag, das Leben und die Liebe zu beschützen, verliehen bekommen haben. Sie haben sie gegen das Wesen des Lebens, an dem sie selbst Anteil haben, gerichtet, es beschämt, entwürdigt und es gekreuzigt. Sie haben sich selbst dadurch beschämt, entwürdigt und gekreuzigt und werden es nun weiterhin durch die Liebe, die Sanftheit und das Wohlwollen des auferstanden Wesens an dessen Tisch sie eingeladen sind mit ihm, wie gewohnt, Mal zu halten. An dem Tische erinnern sie sich wieder an ihren ursprünglichen Auftrag, das Leben und die Liebe in sich selbst, in jedem einzelnen Menschen, in jedem einzelnen Lebewesen, in der Natur, in der Gesellschaft und in der Welt zu beschützen.


Jesus Christus ist auferstanden!!!


Lassen wir mit Ihm unser inneres wahres Wesen wieder auferstehen, damit die Welt von der Liebe und dem Leben, die wir sind, erfüllt und geflutet wird. Nehmen wir unser inneres wahres Wesen immer wieder neu vom Kreuz, legen es in die Arme unseres Körpers und lassen es in der Tiefe unserer Gewebe heilen, Kraft sammeln und es sich daraus gestärkt wieder erheben damit es uns in seine warmen, wohligen, wertschätzenden und liebenden Arme schließen kann.


Die Ostergeschichte ist keine, die sich einmal vor Jahrtausenden ereignet hat, sie ereignet sich heute, morgen und jeden Tag in uns selbst, in unseren Familien, in unseren Partnerschaften. Sie ist Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und Teil unseres weltweiten Wirtschaftens. Sie ereignet sich überall da, wo das Leben erniedrigt wird, wo Argumente nicht gehört werden und wo sich ein Mensch vor einem anderen sowie vor dem Wunder des Lebens verschließt.

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