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Palmsonntag und der Ruf nach Ausgeglichenheit


Palmsonntag, der Einzug Jesu nach Jerusalem. Es ist die Zeit des Paschafests. Die Stimmung ist eine hohe und so wird er bejubelt, gefeiert, und freudestrahlend empfangen.


Was für mich heuer heraussticht, ist nicht das Feiern, die ausgelassene Stimmung, sondern der Beginn einer Dynamik. Erkennen können wir diese erst im Zusammenhang mit dem, was sich ereignen wird. Die anfängliche Freude und der überschwängliche Empfang verwandeln sich in nur wenigen Tagen in destruktive Energien und Angst, die in der Forderung der Kreuzigung Jesu ihren Höhepunkt erreichen.


In den Ereignissen der Karwoche sehe ich eine Dynamik, die sich in meinem Leben sowie überall auf der Welt, viel zu oft vollzieht und zeigt. Diese Dynamik bestimmt unsere Emotionen, Gefühle und Handlungen. Sie nimmt uns in sich auf und wir werden von ihr mitgerissen und zu Handlungen und Taten, Sichtweisen und Wünschen gedrängt, die mitunter weder zu unseren Werten und Vorstellungen, noch zu unserer Einstellung zum Leben oder zu unserer Persönlichkeit passen. Wir schwingen in der Stimmung der Masse mit, ohne fähig zu sein einen klaren Gedanken zu denken.


Das Bild der Wippschaukel, verdeutlicht diese Dynamik auf wunderbare Art und Weise. Damit man auf dieser Schaukel schaukeln kann, benötigt man ein Gegenüber. Ist mein Gegenüber oben, so bin ich unten und umgekehrt. Was für ein Spaß.


Doch was passiert, wenn der, der gerade unten ist, die Pendelbewegung aufhält? Der obere wird sich ärgern, quengelig werden und fordern herunterkommen zu dürfen. Steht der untere einfach auf und verlässt die Schaukel saust der Obere ungebremst nach unten. Das macht mit Sicherheit keinen Spaß mehr.


Am Palmsonntag heben die Menschen von Jerusalem Jesus in den Himmel, um ihn wenige Tage später, wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen.


Die Frage regt sich in mir: „Wie oft sind wir voller Begeisterung von einer Sache und im Handumdrehen verteufeln wir sie?“


Leben wir ein Leben wie auf einer Wippschaukel sitzend, so sind wir abhängig von einem Gegenüber, das unser Partner, unser Chef, die Gesellschaft, die Medien, Influencer, Politiker oder wer auch immer sein kann. Es ist schön, wenn wir unten sind und die Macht haben, die Schaukel zum Stillstand zu bringen. Unten zu sein bedeutet jedoch Kontakt mit unserem Schatten zu haben. Unten zu sein bedeutet oft eine Krise oder Herausforderungen zu durchleben. Unten zu sein bedeutet viel zu oft ausgelaugt, erschöpft und depressiv zu sein und somit Untererregung. Befinden wir uns auf der Wippschaukel unten, so benötigen wir Kraft um uns vom Boden abzustoßen und so wieder nach oben zu kommen. Oben regiert die Übererregung, wir verlieren den Boden unter den Füßen und somit den Halt, die Sicherheit und die Erdung. Ängste, Befürchtungen und der Wunsch nach Kontrolle, sowie der Schutzmechanismen von Gefällig Sein werden ausgelöst. Im Gegensatz dazu, haben wir einen wunderbaren Überblick über die Landschaft, wir fühlen uns groß, mächtig und erhaben.


Gleicht unser Leben einer Wippschaukel, so fehlt uns die Balance, die Mitte, die Erdung, der Halt, die Stille und die Ruhe. Dies alles erreichen wir entweder, wenn unser Gegenüber ausgleicht, oder, wenn ich mich in der Mitte auf die Schaukel stelle und durch einfache Gewichtsverlagerungen die Schaukelbewegung auslöse oder sie ausgleiche. In der Mitte stehend, ist immer ein Fuß oben und der andere unten. In der Mitte stehend, habe ich somit Anteil an beiden Seiten, an jener, die sich gerade oben befindet und an jener, die gerade unten ist. So vereinen sich in mir, die in der Mitte, auf der Wippschaukel steht, alle Gegensätze, die durch die Dualität erschaffen werden.


So zeigt heute, der Palsonntag, für mich, auf der einen Seite eine Extreme auf, auf die eine andere automatisch folgt und auf der anderen Seite die dringende Notwendigkeit nach innerer Balance, die sich in weiterer Folge aufs außen überträgt.


Befinden wir uns in unserer Mitte behalten wir unsere Erdung und unsere Balance. So bleiben wir in Kontakt mit unseren Werten und Überzeugungen. In weiterer Folge sind wir dadurch, nicht nur mit den natürlichen Rhythmen verbunden, sondern auch mit unserer Menschlichkeit und unserm inneren wahren Wesen. In dieser Verbundenheit verschwinden Scham und Schuld und somit auch jede Art von Selbstgeiselung und Kreuzigung im inneren sowie im außen.

 


Palmsonntag der Ruf nach Ausgeglichenheit

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