Der Fluss der Beziehung

Sachte, wild, freudig und lebendig manchmal stürmisch und treibend fließt der Fluss zwischen allem was lebt. Er ist immer da, unzerstörbar, allgegenwärtig und beständig. Er umfließt alles, hüllt alles in seinem Strömen ein. Er bewahrt das Leben, verbindet alles Lebendige und ist der Träger der Liebe.


Warum fühlen wir uns so oft abgetrennt vom Leben? Warum sind so viele Menschen einsam und alleine? Wieso fühlen wir uns so oft ausgeschlossen, ausgestoßen und verbannt, wenn doch der Beziehungsfluss immer da ist?


Da ist diese Kluft zwischen dem Beziehungsfluss und unserem Leben.


Vielfach haben wir erfahren und tief in unserem Inneren verankert, dass andere Menschen, die Welt, das Leben und selbst unser Körper gefährliche Orte sind von denen wir uns am besten distanzieren, sie abwehren oder sie bekämpfen aus Angst vor Überwältigung und Verletzung. Wir befinden uns in solchen Momenten weit weg vom Beziehungsfluss, der in uns und um uns herum fließt. Vielleicht stehen wir an dessen Ufer und sehen dem Treiben zu, aber wir sind nicht Teil davon. Traurigkeit steigt auf, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit und nach Verbundenheit lassen das Feuer der Traurigkeit am Leben. Angst zeigt sich und hält uns ab in den Fluss zu springen. Das Wasser könnte uns in die Tiefen, in den Kampf um unser Überleben, ziehen. Die Lebendigkeit könnte uns unsere Sicherheitspanzer der Erstarrung nehmen. Die Angst vor dem Unbekannten und vor der Unberechenbarkeit lässt uns unsere erlernte Hilflosigkeit und Ohnmacht spüren.

Zögernd stehen wir hier am Ufer des Flusses, spüren bereits seinen sanften Sog, seinen Ruf hineinzugleiten. In seinem Ruf können wir bereits sein Wohlwollen vernehmen mit dem er uns aufnehmen möchte, seine Freude umkreist uns bereits und seine Liebe klopft sachte an unser zögerndes Herz. Sanft verbindet sich sein Drängen mit unserem Verlangen, Teil dieses Beziehungsflusses zu werden. Freude erfüllt bereits unser Herz und so wächst der Wunsch über die Angst hinaus und wir wagen den Schritt im Wissen und in der Hoffnung, Vertrauen haben zu können in das Leben selbst, das wir in diesem Fluss sehen, spüren, beobachten und erkannt haben.

Noch sind wir lernende, staunende und verletzliche Wesen, die sich dem Fließen des Beziehungsflusses hingeben, ihn jedoch auch wieder verlassen können, um uns am ruhigeren und scheinbar sicheren Ufer auszuruhen. Die Pausen werden kürzer, denn die Sehnsucht nach der Verbundenheit, der Lebendigkeit und der Liebe stellt sich immer schneller ein und irgendwann merken wir, dass wir die Sicherheit, die Ruhe und den Frieden mitten im Lebensfluss finden, spüren und fühlen. Dies ist der Moment in dem wir eingehen in den ewigen Tanz des Lebens. Dieser Tanz führt uns in die tiefsten Tiefen, zu den höchsten Höhen, zu den entlegensten Orte und zu den herrlichsten Schätzen. Auf dieser Reise lehrt uns der Fluss die Liebe in allen Dingen zu sehen, die Weisheit in Allem zu finden, aber was er uns vor allem zeigt, das ist die Verbundenheit.


In der Verbundenheit verschmilzt der Beziehungsfluss mit dem Lebensfluss, der uns schließlich mitnimmt und uns mitten ins Leben spült wo er sich durch uns auf dieser Erde ergießt.

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