Berührung und berührt werden, der Schlüssel zu mehr Lebendigkeit

Berührt uns das erste Schneeglöckchen, das wir erblicken, oder sehen wir es, weil es einfach da ist? Für mich ist Berühren und berührt werden mehr als nur sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Ja, ich kann das Schneeglöckchen mit meinen Fingern berühren, ich kann es riechen, sehen und seine Form ertasten. Aber das ist noch lange kein Berühren wie ich es hier meine.


Berührt werde ich von der Information, die hinter dem Offensichtlichen liegt. Diese Information dringt tief in mein Inneres ein und setzt mein Herz, meine Seele, meine Sehnsüchte und meine Gefühle in Schwingung. Ich werde vom Leben selbst berührt und erinnert, dass ich Leben bin und, dass sich die Schönheit des Lebens in jedem Moment in mir neu entfaltet. Dabei kann ich traurig werden, da auch Teile berührt werden, die abgespalten sind und die nun beachtet werden wollen. Ich kann auch traurig oder wütend werden über all die Jahre, in denen ich funktioniert, aber nicht wahrhaftig gelebt habe. Da ich jetzt erkenne wie abgetrennt, und taub mein Inneres ist.


Wir alle wollen berührt werden. Werden wir es, so weichen wir aber oft unbewusst davor zurück. Wir haben Sehnsucht nach Berührungen und können sie dennoch nicht annehmen. So nähren uns Berührungen nicht, sie befriedigen unsere tiefsten Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Gesehen, Gehalten und Geliebt werden nicht. Zu schnell reagieren wir mit Angst vor erneuten Verletzungen. Lassen wir uns berühren, so sind wir für diesen Moment ganz offen, fühlen uns verletzlich und schutzlos.

In den wenigsten Fällen brauchen wir Angst vor äußeren Gefahren zu haben. Es sind die inneren Erfahrungen und Muster, die uns automatisch reagieren lassen und uns abtrennen. Es ist unser Nervensystem, das unsere Seele und Liebe vor Verrat und Verletzungen schützen möchte. Es ist das steigende Erregungsniveau in uns, das Schutzmechanismen hochfahren lässt. Wir denken das Schneeglöckchen sei schön, aber wir fühlen die Schönheit und das Wunder, das in ihm liegt und sich durch es ausdrücken möchte, in uns nicht.


Wir denken wir fühlen die Hand eines anderen auf uns ruhen, aber wir lassen nicht zu, dass sie tiefer dringt als bis zu unserer Haut und wundern uns, dass wir uns leer fühlen oder die Sehnsucht nach Berührung spüren, sobald die Hand uns verlässt.


Taubheit ist eine Folge von Trauma, das immer eine Überforderung des Nervensystems ist. Taubheit ist immer und überall da vorhanden, wo wir nicht fühlen können, wo wir uns nicht berühren lassen können. Es ist ein inneres Erleben von Leere, von Sterilität und von Vakuum daran geknüpft. Taubheit ist wie ein weißes Tuch, das sich über inneres Erleben legt, sodass es nicht mehr greifbar und benannt werden kann, obwohl man weiß, dass eben noch etwas da war. Alle Farben, Schattierungen, Gefühle und Emotionen sind verschwunden. Man rutscht ins Schweigen obwohl so viel zu sagen wäre.

Sprachlosigkeit hat oft Taubheit als Ursache. Man kann weder sich noch den anderen spüren, man verliert das Gefühl für die Situation und für ein angepasstes Verhalten. Wir verfallen in Schweigen, nicht, weil wir nicht wissen was wir sagen sollen, sondern weil unser Nervensystem überfordert ist und es sich an Situationen erinnert, in denen es gut war nichts zu fühlen und zu spüren.

Um dies zu vermeiden versuchen wir aus der Vernunft, der Ratio und dem Verstand zu handeln und zu reagieren. Wir spalten den Körper ab, um nichts zu fühlen. So verlieren wir aber auch die Fähigkeit uns berühren zu lassen, das Gefühl von Verbundenheit und das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit. Die Fülle des Lebens haben wir so jedoch nicht.


Suchen wir nach Verbundenheit, nach Fülle und Glückseligkeit, so finden wir all dies nur, wenn wir lernen wieder zu fühlen und uns berühren zu lassen.

Der erste Schritt, den wir gehen müssen ist: meine eigene Trauer, Wut, Ohnmacht, Machtlosigkeit aber auch meine eigne Freude und Liebe, meine eigenen Verletzungen und Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse zu fühlen.

Der zweite Schritt ist: dies alles den anderen zugestehen und in weiter Folge dies bei anderen zu fühlen und dann noch zu halten.

Erst dann kann ich tiefer gehen und lernen mich von meinen eigenen Emotionen und Gefühlen berühren zu lassen und als nächster Schritt mich von den Emotionen, Gefühlen, Worte, Sätze und der Natur berühren zu lassen. Oft schaffen wir diesen Schritt nicht alleine zu gehen. Es ist ein Schritt der ein Du braucht, da wir auf ein Du zugehen.


Kommen wir mit uns in Kontakt treten wir mit der ganzen Welt in Kontakt.

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